Welcher Idiot will den Winter in Kanada verbringen ?

Ottawa, KANADA  ||

Der kanadische Winter ist bekanntlich arschkalt und endlos lang – weiß doch jeder. Und wir Deutschen neigen ja eher dazu den Winter zu verachten und uns ständig über ihn zu beschweren. Wer käme also freiwillig auf die Idee, den Winter in Kanada verbringen zu wollen? WIR tatsächlich. In diesem Artikel erklären wir Dir, warum der Winter für uns einfach zur ultimativen Kanadaerfahrung dazu gehört und warum wir ihn in Kanadas Hauptstadt Ottawa verbringen.

Die Hauptstadt Ottawa begrüßt uns bereits in weiß

Genau zum Winteranfang geht´s in die Hauptstadt

Ende November kommen wir für ein paar Tage das erste Mal nach Ottawa. Wir wollen wenigstens sagen können, wir hätten einmal die Hauptstadt besucht. Als wir ankommen fällt gerade der erste Schnee und die Stadt begrüßt uns mit einer dünnen Schneedecke. In den folgenden Tagen, in denen wir eigentlich Sightseeing geplant haben, wandelt sich der Schnee zunächst in Schneeregen und dann ganz zu Regen. Überall nur noch dreckiger Schneematsch, es ist grau, nasskalt und ungemütlich. Das Wetter ist mehr als eklig und viel Sightseeing machen wir eigentlich auch nicht. Stattdessen kommen wir auf die Idee, eventuell den ganzen Winter über hier in Ottawa zu bleiben.

Nach dem ersten Schnee wird´s leider erstmal ungemütlich in Ottawa

Wie kommen wir denn nun auf so eine Idee, wo es doch gerade so ungemütlich hier wird ?

Und welcher Idiot will den Winter überhaupt in Kanada verbringen ?

Nun, fangen wir damit an, warum wir den Winter über hier in Kanada bleiben wollen und gehen dann darauf ein, warum ausgerechnet hier in Ottawa.

Dazu muss ich ein wenig ausholen, denn das hat ein wenig damit zu tun, wie wir reisen. Zunächst einmal ist es uns bei unserer Reise von vornherein nicht wichtig gewesen, möglichst viele Länder abzuhaken, sondern die Länder, die wir noch nicht kennen, möglichst intensiv zu bereisen. 

Glücklicherweise sind wir mit einem Work & Holiday Visa hier in Kanada, das bedeutet wir können bis zu einem Jahr hier reisen und arbeiten – perfekt um in die Kultur einzutauchen. Unsere ganze Reise ist und war von vornherein so ausgelegt, dass wir unterwegs gerne auch arbeiten wollen, dort wo es sich eben ergibt oder nötig wird. Einerseits um die Reisekasse natürlich immer mal wieder aufzufüllen, aber auch um Arbeitserfahrung rund um die Welt zu sammeln und eine Kultur dadurch noch intensiver kennenzulernen.

Dank Work & Holiday Visa können wir 1 Jahr in Kanada bleiben

Auf Grund unseres Alters (33 + 35) war Kanada die letzte und einzige Möglichkeit für uns ein Work & Holiday Visa zu bekommen und das wollten wir gerne voll ausnutzen, sprich so lange bleiben, wie man uns lässt.

Schließlich ist Kanada auch einfach ein riesiges und vielseitiges Land, wo es so viel zu entdecken gibt. Unser Plan ist Kanada mit dem Wohnmobil einmal von Ost nach West zu durchqueren. Doch wir reisen langsam.

Daher hatten wir von vorn herein die Idee, uns im Sommer Zeit beim Reisen zu lassen und den langen Winter zum Arbeiten und Geldverdienen zu nutzen. Eine perfekte Kombination von Work & Travel also.

Der Winter gehört nun mal zur Kanadaerfahrung dazu

Den Winter hätte man natürlich auch in wärmere Gefilde flüchten können, so wie es all die „Snowbirds“ tun. Schneevögel nennt man hier scherzhaft all die Kanadier, die z.B. im Süden der USA überwintern, so wie die Zugvögel im Winter ausfliegen. Viele haben uns vorgeschlagen, doch das Gleiche zu tun und mit dem Wohnmobil zum Beispiel nach Florida zu fahren, sobald es kalt wird.

Aber ganz ehrlich: Wir sind doch nicht nach Kanada gekommen, um im Winter in die USA zu flüchten. Im Gegenteil, wir wollen den kanadischen Winter gerne mal miterleben. Natürlich nicht nur, um uns mit Arbeiten die Zeit zu vertreiben, sondern weil der Winter nun mal ganz zentral zu Kanada dazu gehört, ja sogar Teil der Kultur ist, wie wir mit der Zeit feststellen.

Der Winter in Kanada ist anders als in Deutschland, schließlich ist es hier ein „richtiger“. Und obwohl er hier länger und kälter ist, ärgert man sich hier nicht ständig über den Winter, sondern nimmt ihn halt wie er kommt – ja man zelebriert ihn sogar richtig, dazu liest Du in diesem Artikel mehr.

Spontanentscheidung: Wir ziehen in die Hauptstadt

Dass es uns nun ausgerechnet nach Ottawa, Kanadas Hauptstadt zieht, um hier den Winter über fünf Monate zu wohnen und zu arbeiten, damit hätten wir vorher auch nicht gerechnet, das ist eine relativ spontane Entscheidung. Als wir hier in Ottawa ankommen, sind wir zunächst nur ein paar Tage zu Besuch und wohnen in einem AirBnB.

Eigentlich wohnen wir noch in einem kleinen Ort namens Magnetawan bei unserer Gastfamilie Phillip und Louise, wo wir gegen Kost und Logis arbeiten. Doch wir sind mit der Wohnsituation dort nicht mehr zufrieden und auf der Suche nach einer Alternative, was eine Unterkunft und einen Job für den Winter angeht.

In Ottawa wird uns klar, dass sich die Hauptstadt sehr gut als Winterquartier eignet, weil wir hier wahrscheinlich relativ einfach einen Job finden können. Statt also bei dem Sch…-Wetter Sightseeing zu machen, nutzen wir die vier Tage hier dazu eine Unterkunft zu finden, nach Jobs Ausschau zu halten und die ersten Bewerbungen auf Englisch zu schreiben. Nach wirklich stressigen vier Tagen haben wir tatsächlich beides im Kasten. Ich soll sogar in zwei Tagen schon meinen ersten Arbeitstag haben.

Job und Wohnungssuche war bereits nach wenigen Tagen erfolgreich

Doch obwohl wir sogar schon ein tolles Zimmer hier gefunden haben, wohnen wir ja noch nicht einmal in Ottawa. All unsere Sachen befinden sich noch im 600 Kilometer entfernten Magnetawan!

Innerhalb von zwei Tagen fahren wir wieder zurück nach Magnetawan, packen in Windeseile all unsere Sachen, verabschieden und bedanken uns bei unserer Gastfamilie für die interessante Zeit dort und sind am nächsten Morgen wieder zurück in Ottawa, um hier unserer neues Zimmer zu beziehen. Man, was für intensive Tage das waren. Von heute auf morgen verändert sich auf einmal unsere ganze Lebenssituation, das gesamte Umfeld, der Alltag, die Stadt, die Menschen und der Job – einfach alles. Es ist aufregend und beängstigend zugleich. Doch viel Zeit zum Grübeln und Verdauen bleibt nicht. Am nächsten Morgen beginnt bereits der neue Job.

Über unseren Köpfen die zwei Fenster: Unser neues Zuhause auf Zeit in Ottawa

Unser neues Zuhause auf Zeit

Für 700 CAN$ im Monat haben wir nun ein schönes großes Zimmer in einem typischen „Townhouse“ gemietet. Nach der Zeit in Magnetawan tut es gut mal ein bisschen Platz zu haben, denn dort wohnten wir wirklich sehr beengt ohne Privatsphäre. Hier können wir das ganze Haus mitbenutzen. Unseren Mitbewohner Louis aus Malaysia, der das Zimmer nebenan bewohnt, bemerken wir kaum, so selten sehen wir ihn. Unsere Vermieter Pierre und Jeanne, ein ganz nettes Pärchen, kommen alle zwei Wochen mit ihrem Hund Maxi am Wochenende mal nach Hause, wohnen aber ansonsten woanders. Wir haben das Haus also quasi fast für uns alleine, sind sehr zufrieden mit der neuen Wohnsituation und haben vor, hier bis ungefähr April zu bleiben, bis wir wieder mit dem Camper weiterreisen können. Wir fühlen uns hier sehr wohl, es ist quasi wieder ein neues Zuhause für uns auf Reisen und eine neue Erfahrung.

Wer hat Lust auf Winter-Camping ?

Warum kein Winter Camping ?

Nun fragen sich wahrscheinlich einige, warum wir in eine Wohnung ziehen und Miete bezahlen, obwohl wir doch einen Camper haben, in dem wir wohnen könnten und somit jede Menge Geld sparen könnten. Und obwohl wir uns voll und ganz auf den kanadischen Winter einlassen wollen und auch das Leben im Wohnmobil sehr schätzen, war von vornherein klar, dass wir kein Winter-Camping machen und im Winter eine Wohnmobilpause einlegen werden. Natürlich kann man auch im Winter unter bestimmten Voraussetzungen in seinem Wohnmobil wohnen und es gibt hier auch einige, die genau das tun. Aber die Herausforderung bei -30°C trotz Heizung mit Winterjacke, Schal, Mütze, Handschuh im Camper zu bibbern und täglich das gefrorene Kondenswasser innen von den Fenstern zu kratzen … usw. reizte uns eher wenig. Es wäre nicht unmöglich gewesen, aber der Alltag wäre einfach sehr kompliziert und schwierig gewesen, wenn wir gleichzeitig mitten in der Stadt arbeiten wollten. Happy Dude hat zwar eine Heizung, aber ist kaum isoliert. Außerdem hat er keine Winterbereifung, das heißt, es wäre entweder extrem umständlich oder teuer geworden. Also für uns war das absolut keine Option. Und so haben wir eine weitere Wohnerfahrung hier in Kanada mitten in der Hauptstadt – es gibt Schlimmeres!

Der kanadische Winter mit neuen Jobs ist auch ohne Camping schon Herausforderung genug für uns, obwohl wir diese einmalige Erfahrung auf eine Art auch sehr genießen. Wie unser Alltag mit den Schneemassen hier so aussieht, wie die Kanadier den Winter zelebrieren und warum der kanadische Winter so viel cooler ist als in Deutschland, erfährst Du alles in diesem Blogpost. 

Und hier sind noch ein paar Videos, die unseren Umzug nach Ottawa und einige winterliche Impressionen aus Kanada festhalten:

Stay cool !

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2 thoughts on “Welcher Idiot will den Winter in Kanada verbringen ?

  1. Angelika says:

    Hallo Sonny und Chris, ihr habt wirklich einen tollen Bericht mit Infos, Fotos und Videosequenzen gemacht, alles ist so harmonisch gestaltet, der Blog gefällt mir sehr gut. Was für eine Arbeit da auch drin steckt, denn der Winter in Kanada ist ja schon ein bisschen her und jetzt alles aus der Erinnerung aufschreiben. Man merkt, ihr habt Spaß daran.
    Freue mich schon auf den nächsten Newsletter.
    Liebe Grüße Ma

    • wirsindveg says:

      Oh ja wir haben riesen Spaß daran. So ganz aus der Erinnerung ist es ja auch nicht, ich schreiben schon hin und wieder was auf oder machen mir zumindest Notizen… Nur das ganze dann auch mal fertig zu machen, ist doch viel Arbeit 🙂 Daher danke für die Anerkennung und das tolle Feedback 😉 LG

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