Pläne loslassen & Vertrauen haben – Reflexionen nach 1 Jahr auf Reisen

Algonquin Proviancial Park, KANADA  ||

Wir machen positive und negative Erfahrungen auf Reisen. Stellen fest, dass unsere Pläne nicht funktionieren und sind mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Reisen ist eine ständige Achterbahn der Gefühle. In der Regel berichtet man ja eher über all die tollen Glücksmomente des Unterwegsseins. Aber es gibt eben auch eine andere Seite beim Reisen und die möchten wir heute, nach einem Jahr Unterwegssein, eben auch mal reflektieren und thematisieren, um festzustellen, dass auch in vermeintlich negativen Erfahrungen wieder etwas Positives steckt.

Rückblick

Vor genau einem Jahr am 16.Oktober 2015 sind wir auf unsere große Reise aufgebrochen. Wer sich noch erinnert, der Himmel weinte damals zum Abschied mit uns, denn es gallerte in Strömen. Und heute, ein Jahr später am 16. Oktober 2016, regnet es zur Erinnerung wieder und begießt damit unser 1-jähriges Reise-Jubiläum.

Oh man, wie schnell ging dieses Jahr rum – Wahnsinn! Und was wir in diesem Jahr alles erlebt haben, ist noch viel wahnsinniger!

Es war definitiv eines der ereignisreichsten und aufregendsten Jahre unseres Lebens und war definitiv nichts für schwache Nerven. Es war eine Achterbahn der Gefühle.

Wir haben ja schön öfter festgestellt, dass so eine unbegrenzte Reise nichts mit einem Erholungsurlaub zu tun hat. Das hier ist etwas ganz anderes. Es ist eher eine Reise der Erfahrungen. Vor allem auch der Selbsterfahrung. Und das ist auch gut so, aber es ist eben auch nicht immer so einfach.

„Dieser Weg wird nicht einfach sein… “

 „… dieser Weg wird steinig und schwer…“ Dieses Zitat aus Xavier Naidoos Song „Dieser Weg“ gibt seit Beginn unserer Reise sehr gut unser Gefühl wieder und ist wie eine Art Hymne.

Der Weg fühlt sich oft steinig an

Oft haben wir das Gefühl, einen etwas „steinigen Weg“ für unsere Reise gewählt zu haben. Ich meine damit z.B. dass wir die Reise nicht zeitlich begrenzt haben, was natürlich bestimmte Herausforderungen mit sich bringt, ebenso das Reisen mit einem Camper. Zudem haben wir auch nicht gerade die „einfachste“ oder besser gesagt „günstigste“ Reiseroute gewählt, sondern reisen gerade im teuren Kanada, statt im billigen Thailand… Und auch bei vielen anderen Entscheidungen, wählen wir oft eine Alternative zum Mainstream, die dann zwar individueller, aber eben oft auch etwas mühseliger ist.

Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn das waren unsere eigenen Entscheidungen, die wir auch nicht bereuen. Das sind einfach nur unsere ganz persönlichen Erkenntnisse, die wir so akzeptieren, wie sie eben sind.

Wir haben einfach immer wieder die Erfahrung gemacht, dass so eine Reise nicht immer nur Heititeiti ist, wie man sich das vielleicht vorstellt. Oft hat die Realität wenig mit dem zu tun, wie man es sich vorher vielleicht ausgemalt oder geplant hat. Auch das muss man dann einfach akzeptieren, statt enttäuscht zu sein.

In guten wie in schlechten Zeiten

Es passieren, wie zu Hause auch, positive und negative Dinge auf einer Reise. Wir haben Hochs und Tiefs, ebenso wie gute und schlechte Laune, wir empfinden Glück und Enttäuschung, haben schöne und schlechte Erlebnisse. Das ist nicht schlimm, solange wir uns dessen bewusst sind und es so akzeptieren, wie es eben ist. Erfahrungen, egal ob positiv oder negativ, sind Erfahrungen, die uns keiner mehr nehmen kann und aus denen wir sehr viel lernen können.

Es gibt immer auch eine positive Seite

Ja auch wir haben neben all den atemberaubenden und schönen Reiseimpressionen viele Rückschläge und Ohrfeigen eingesteckt: Wir sind ausgeraubt worden, hatten aufwendige und teure Reparaturen am Fahrzeug, persönliche Krisen, mussten ungeplant zurück nach Deutschland, haben mehr Geld ausgegeben als gedacht, konnten unseren Camper nicht mit nach Kanada nehmen, sind eigenen Erwartungen nicht gerecht geworden, Kamera und Objektiv sind kaputt gegangen und und und…

Das alles hatten wir so natürlich nicht geplant und damit klarzukommen ist immer stressig und nervig. Aber für diese Herausforderungen Lösungen zu finden und den neuen Plan zu akzeptieren, ist eben auch Teil dieser Reise und gibt uns die einmalige Chance viel über uns selbst zu lernen.

Es gibt immer auch eine positive Seite 

Und hey, auch negative Erlebnisse haben oft eine positive Seite, manchmal sieht man das aber erst im Nachhinein mit etwas Abstand.

Das beste Beispiel hierfür ist unser Wohnmobil Happy Dude. Es war nie geplant, unser Reisegefährt während der Reise zu wechseln. Eigentlich wollten wir mit unserem Bimobil einmal durch die „ganze“ Welt fahren (was auch immer das heißt…). Man waren wir enttäuscht, als dieser Traum platzte. Aber jetzt im Nachhinein sind wir total froh, dass es so gekommen ist, denn sonst hätten wir Happy Dude nie gekauft, indem wir uns jetzt sogar noch wohler fühlen als im Bimobil und was hier in Kanada viel besser passt.

Wir haben auf der Reise auch immer wieder sehr viel Glück gehabt. Und sehr viel davon hat sich aus einer zunächst ungeplanten blöden Situation heraus ergeben. Auch viele Bekanntschaften sind aus der Not heraus entstanden, weil wir Hilfe brauchten oder selbst jemandem geholfen haben. Und so haben wir tolle Menschen kennengelernt.

Glück - Vertrauen - Mut - Liebe - Freunde

Reisen ist eine kontinuierliche Aneinanderreihung von Kompromissen

Reisen ist ein dauerndes Provisorium, es bedeutet ständig zu improvisieren, Kompromisse und Lösungen zu finden, Pläne zu ändern und neue Entscheidungen zu treffen.

Man muss sich auch daran gewöhnen, dass es auf Reisen keine Sicherheit gibt. Das Risiko ist ein ständiger Begleiter, sei es gesundheitlich, sicherheitstechnisch oder auch finanziell.

Eines ist allerdings sicher: Das Leben interessiert sich nicht für unseren ganz persönlichen Plan, sondern verfolgt seinen eigenen Plan, der mit unserem oft zu kollidieren scheint.

Mit ohne Plan

Die wahre Herausforderung dieser Reise besteht für uns nicht darin einen Masterplan zu verfolgen, sondern den Mut zu haben unsere Pläne zu ändern oder erst gar keine großen Pläne zu machen und die Situationen so anzunehmen, wie sie eben kommen.

Das ist glaube ich unsere wichtigste Erkenntnis bisher. Denn Pläne sind in der Theorie entstanden, als man noch gar nicht in der jeweiligen Situation steckte und bevor man wichtige Erfahrungen unterwegs sammelte. Vor Ort in der jeweiligen Situation muss man eben manchmal seinen perfekten Plan aufgeben und flexibel und spontan neue Entscheidungen treffen. Das hat dann auch nichts mit Naivität oder Planlosigkeit zu tun, sondern mit Mut und Vertrauen in sich und ins Leben.

„Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet.“ (Oscar Wilde)

Vertrauen ins Leben

Wir sind sehr davon überzeugt, dass es sich lohnt Vertrauen ins Leben zu haben, denn es kommt alles immer so wie es eben kommen soll, das merken wir immer wieder unterwegs.

Lasst uns Vertrauen ins Leben haben
Lasst uns Vertrauen ins Leben haben

Alles passiert aus einem bestimmten Grund, hat einen tieferen Sinn, daran glauben wir. Stecken wir mittendrin im Schlamassel, sehen wir das natürlich anders: „Was soll es schon für einen tieferen Sinn haben, dass ich jetzt hier mitten in der Pampa ne Panne habe und liegenbleibe…?“

Natürlich ärgern wir uns in so einer Situation, weil es neue Probleme aufwirft, die nicht „eingeplant“ waren und mit denen wir erstmal klarkommen müssen. Aber wir überblicken in unserer „Beschränktheit“ eben auch nicht die Gesamtsituation. Vielleicht hat uns diese Panne davor bewahrt an der nächsten Kurve einen Unfall zu haben oder es tauchen Helfer auf, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Will damit sagen: Auch an einem Schlamassel kann etwas Gutes dran sein. Nach dem Ärgern, einfach mal drüber nachdenken und schauen, welche positiven Aspekte ich vielleicht sehen kann…

Wir haben auch festgestellt, dass auf ein vermeintliches Problem oft wie aus dem Nichts eine Lösung folgt. Nicht immer unmittelbar, nicht immer sofort, nicht immer so wie wir uns das vorstellen, aber es kommt Hilfe!

Lars unser Engel 

Wir haben hier eine sehr bewegende Erfahrung in Marokko gemacht: Als wir in Marokko entdeckten, dass der Boden unseres Wohnmobils durchgefault war und drohte zu zerbrechen, waren wir im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört, wussten nicht weiter, dachten es wäre das AUS unsere Reise… Dann tauchte wie aus dem Nichts Lars auf, der zufällig Profi im Wohnmobilausbau ist und ne komplette fahrende Werkstatt dabei hatte. Er half uns eine Woche lang den Boden vor Ort zu reparieren, so dass wir weiterfahren konnten. Das war wie ein Wunder für uns und Lars unser Engel, um es mal spirituell zu sagen 😉

Und solche Begegnungen und Erfahrungen machen wir immer wieder unterwegs.

Lars war wie ein Engel in der Not für uns
Lars war wie ein Engel in der Not für uns

Das Ungewisse und Ungeplante 

Als wir vor einem Jahr aus Hannover losfuhren, wussten wir zwar schon, dass wir jetzt vermutlich hier in Kanada sein werden, zumindest war es so geplant.

Aber dennoch wussten wir nicht, wo wir in diesem riesigen Land gerade sein würden, dass wir in Kanada mit einem zweiten Wohnmobil unterwegs sein würden und vor allem, was sich sonst noch alles in diesem ganzen Jahr entwickeln und ergeben würde. Alles war offen.

Das ist das Abenteuer, was diese Reise für uns so interessant und ausmacht:

Das Ungewisse. Das Ungeplante. Das Risiko.

Einfach mal loslassen und darauf einlassen, was kommt.

Daher haben wir auch noch keinen Plan, wo wir am nächsten 16. Oktober sein werden  😉

Wir sind einfach glücklich weiterreisen zu können und vertrauen darauf, dass uns das Leben auch im nächsten Reisejahr wieder mit einmaligen Erlebnissen – egal ob positiv oder negativ – überraschen wird.

Welche Erfahrungen hast Du mit Pläneschmieden gemacht ?

Reiseimpressionen aus Italien, Spanien, Marokko und Kanada
mit passenden Sprüchen zum Thema VERTRAUEN in zwei Größen:

Wandkalender (30x30cm)

Aufstellkalender (21x21cm) 

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4 thoughts on “Pläne loslassen & Vertrauen haben – Reflexionen nach 1 Jahr auf Reisen

  1. Nikki says:

    Es erstaunt mich immer mehr umso mehr ich lese… Man findet Parallelen in manchen Ansichten oder denkt durch eure Texte ganz neu über Situationen oder das Leben nach. Mir gefällt eure Art zu denken und das Leben oder besser gesagt Situationen und Probleme zu akzeptieren.. Ihr bereichert mein Denken sehr… Freue mich aufs weiter lesen und stöbern….

    • wirsindveg says:

      Das berührt uns sehr liebe Nikki, es ist so schön, wenn man Gleichgesinnte hat, die in die gleiche Richtung denken. Freut uns unendlich zu hören, dass es dir so gefällt 😉 DANKE DIR !!!

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