Loslassen mitten im Vorbereitungs-Chaos

Hannover, DEUTSCHLAND  ||

Irgendetwas scheint uns halten zu wollen, ja regelrecht festzuhalten. Wir fühlen uns, als müssten wir wild um uns schlagen und frei kämpfen. Dabei wollen wir doch einfach nur unseren Traum verwirklichen, durch die Welt reisen und glücklich sein – das kann doch nicht so schwer sein… Doch Loszulassen, fallt uns tatsächlich schwerer als gedacht.

Der Weg erscheint uns extrem steinig

“Dieser Weg wird nicht einfach sein …”

dieser Weg wird steinig und schwer…“ Bestimmt kennst Du diese Zeilen aus „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo. Dieser Song ist unsere Hymne geworden, da er uns direkt aus der Seele spricht. Unser Weg verlangt uns Mut, starke Nerven, Kraft und bedingungsloses Vertrauen in unser Bauchgefühl ab. Denn unsere Bäuche sagen einstimmig:

Lasst los! Geht einfach!

Doch das ist gar nicht so einfach. Wir haben das Loslassen unterschätzt.

Job kündigen

Da wären zum Beispiel unsere Jobs: Wie oft haben wir den Moment herbei gesehnt „endlich“ kündigen zu können und unseren 9-5-Job hinter uns zu lassen. Doch als der letzte Arbeitstag gekommen war,  hatte das wenig mit Euphorie zu tun. Wir waren stattdessen wehmütig und traurig unsere liebgewonnenen Kollegen nun zu verabschieden und diesen Ort, an dem wir den Großteil unserer Zeit verbracht haben, nun hinter uns zu lassen – paradox oder ? Wie sich der letzte Arbeitstag anfühlt, siehst Du in diesem Video.

Auf dem Weg zum letzten Arbeitstag wird´s emotional

Haushalt auflösen

Ebenso erging es uns mit dem Auflösen unseres Haushaltes. Auch das hatten wir uns einfacher vorgestellt. Im Hinblick auf die geplante Reise lebten wir die letzten zweieinhalb Jahre bescheiden in einer günstigen 35 Quadratmeter Wohnung, um Geld zu sparen und schon mal den Haushalt zu verkleinern. Doch beim Auszug merkten wir erstmal, wieviel Kram wir trotzdem noch gehortet hatten. Keller und Wohnung waren vollgestopft mit Dingen, die man irgendwie mochte, aber nicht mit auf Reisen nehmen wollte/konnte, Dingen, die man sicher irgendwann mal gut gebrauchen könnte, Dingen, an die man sich gewöhnt hatte, persönlichen Dingen, die man nie hergeben würde, Dingen, die auf den Müll mussten und Dingen, die man nicht mochte, die aber zu schade zum Wegwerfen waren.

Unser Ziel war, so wenig Ballast in Form von Besitz, wie möglich zurück zu lassen. Je weniger Dinge wir hier noch haben, umso weniger müssen wir uns darum kümmern, so der Gedanke. Vorm Auszug wollten wir also Tabularaza machen. Uns von Dingen trennen. Loslassen. 

Home Sweet Home in a Box

Doch dafür musste jedes einzelne Ding in die Hand genommen, angeschaut und dann über sein weiteres Schicksal entschieden werden. Was braucht man wirklich? Was kommt mit auf Reisen? Was kommt auf den Müll? Was wird eingelagert? Eine langwierige, aber auch spannende Prozedur!

Ich habe gemerkt, dass es mir generell schwer fällt, mich von Dingen zu trennen. Ich bin kein Minimalist und werde es auch nie sein. Ich bin eher eine Sammlerin und liebe es schöne Dinge wie z.B. Bücher, Deko, Fotoalben und Hörspiele um mich herum zu haben.

Und obwohl ich mich wirklich überwunden und von vielen Dingen getrennt habe, die wir gespendet, verschenkt, verkauft oder weggeworfen haben, hatten wir nach dem Ausmisten genau noch einen Hänger voll Kram, den wir in den Kellern und Dachböden unserer Eltern verstauen konnten. UNSER Krempel besteht eigentlich zu 90% aus MEINEM Krempel. Chris ist da wesentlich genügsamer und minimalistischer, er hängt nicht so sehr an Dingen wie ich.  

All unsere Sachen passen nach dem Ausmisten in einen Hänger

Abschied von Familie und Freunden

Doch der absolut schwierigste Brocken für uns ist das Loslassen unserer Familien und Freunde. Doch hier haben uns unsere Abschiedsrituale in Form einer Abschiedsparty mit Familie und Freunden und ein gemeinsames Familienwochenende sehr gut getan. Wir wollten kein Abschied zwischen Tür und Angel, hätten es aber zeitlich nicht geschafft uns mit allen nochmal einzeln zu treffen. Dennoch haben wir uns für das  Abschiednehmen extra Zeit genommen und haben Mitte September eine Abschiedsparty für Familie und Freunde gegeben, um in einem würdigen Rahmen alle Lieben beisammen zu haben und Tschüss zu sagen.

Unsere Abschiedsparty mit Familie und Freunden war sehr emotional, aber auch wichtig für uns

Das war sehr emotional, aber gleichzeitig extrem wichtig, denn an diesem Tag ist so viel Ballast von uns abgefallen, dass wir das erste Mal wirklich realisiert haben, dass unsere Abfahrt kurz bevor steht und wir all unsere Lieben auf unbestimmte Zeit nicht sehen werden. Hier mit Tränen in den Augen und mit Freunden und Familie im Arm, ist uns unsere Reise erst so richtig real geworden. Wir waren bis dahin so im Vorbereitungswahn, dass wir das gar nicht gemerkt haben.

Der Abschied auf unbestimmte Zeit tut weh

Stressige Vorbereitungen

Heute am 1. Oktober wollten wir eigentlich schon unterwegs sein. Doch wir haben uns doch noch einen zweiwöchigen Puffer gegönnt und unseren Starttermin auf den 16. Oktober verschoben. Dann müssen wir aber definitiv los, denn mittlerweile haben wir schon eine Unterkunft für die erste Etappe gebucht und wollen am 19. Oktober in Italien sein.

Neben all den üblichen Vorbereitungen wie Impfen, Visa, Kreditkarten checken, Länder-Recherche und Co. kamen noch viele unvorhergesehene Dinge dazu, die wir zeitlich nicht eingeplant hatten, wie z.B. Kamera runtergefallen/Totalschaden, altes Wohnmobil steht immer noch vor der Tür/noch kein Käufer, Reparaturen am Camper verzögern sich/kosten viel Zeit, Familienstreit, Hin- und Her-Diskutierei. Das hat uns alles gerade noch gefehlt!

Irgendwann liegen die Nerven einfach blank

Die Nerven liegen blank. Die Gefühle drehen durch. Na ja, es kommen immer noch Dinge oben drauf, mit denen man nicht gerechnet hat und die zusätzlich Zeit und Nerven kosten. Wir haben das Gefühl zwei Schritte nach vorn und drei zurück zu machen, doch die Abfahrt rückt näher und näher. Wir bekommen langsam Panik.

Es fühlt sich so an, als wenn jemand Steine in unseren Weg rollt, es uns absichtlich noch schwerer macht, uns hier festketten und von der Reise abhalten möchte. Ängste und Zweifel schleichen sich in diesem völlig überarbeiteten und müden Zustand ein, die uns zusätzlich mürbe und unsicher stimmen. Das soll unser Traum Weltreise sein ? Dieser Stress?

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst Du Dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr“, hören wir weiter jeden Tag von Xavier Naidoo und reden uns ein, dass es unser Traum wert ist, all das in Kauf zu nehmen.

Den größten Brocken haben wir immerhin schon geschafft: Wir haben uns von vielen gesellschaftlichen Konventionen und Verpflichtungen befreit, haben uns von Dingen getrennt und sind nun bereit unser bisheriges Leben loszulassen.

Wir haben losgelassen, doch das war nicht einfach und tut auch weh

Was sind wir bereit für unseren Traum zu opfern ?

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